Der Wolf-von-Reis-Kulturpreis 2026 wurde auf der Frühjahrstagung in Düren verliehen
Der Vergabekommission für den Wolf-von-Reis-Kulturpreis 2026 lagen drei preiswürdige Bewerbungen vor. Die Bewerbung der Ortsgruppe Trier wurde aus formalen Gründen mit einem Sonderpreis bedacht.
- Ortsgruppe Breinig: Wiederaufbau des alten Friedhoftores auf dem jetzigen „Platz der Ruhe“ in Stolberg-Breinig
- Ortsgruppe Bleialf: Wiederherstellung des Holzkohlemeilers am Premiumwanderweg „Bachpfad“
- Ortsgruppe Kalterherberg: Projekt „Outdoor-Krippengewölbe und Krippenley"
Ortsgruppe Trier: Instandsetzung des „Heiligenborn“ (Schweicher Heilbrunnen im Meulenwald)
In seiner Laudatio würdigte Hauptkulturwart Prof. W. Schmid die diesjährigen Preisträger.
Laudatio Prof. Wolfgang Schmid (Hauptkulturwart)
Für den Wolf von Reis-Preis 2026 lagen vier Bewerbungen vor, von denen drei die formalen Voraussetzungen erfüllten und die alle drei ebenso beeindruckend wie auch unterschiedlich waren, so dass es schwerfiel, eine Reihenfolge festzulegen.
Der Eifel- und Heimatverein Breinig hat das 1882 errichtete schmiedeeiserne Tor des 1804 angelegten Friedhofs wiederherstellen lassen. Der Friedhof wurde seit 1937 nicht mehr belegt, 1967 eingeebnet und das Tor verschrottet. Es landete im Lager einer Verpackungs- und Logistikfirma, wo es in Vergessenheit geriet. Seit 1969 dient das Friedhofsgelände als Park. 2022 wurde das Friedhofstor wiederentdeckt und mit großem Aufwand restauriert und erneut aufgestellt. Der Friedhof wird seit 2025 als „Platz der Ruhe“ genutzt, dazu wurden neue Wege angelegt, Bänke aufgestellt und ein „Kreuz der Menschlichkeit“ mit einer Widmung an Margot Friedländer errichtet. Der Eifel- und Heimatverein Breinig hat ein bedeutendes Kunstwerk des Historismus gerettet, das an die großbürgerliche Friedhofskultur des wilhelminischen Zeitalters erinnert. Noch mehr zu loben ist, dass er die ganz erheblichen Geldmittel mit regelmäßigen Bücherbasaren aufgebracht hat, die den Verein zusammengeschweißt und einen breiten Käuferkreis mit Lesestoff versorgt haben. Zudem wurde die Einweihung groß gefeiert und in der Presse registriert, so dass die Aktion des Eifel- und Heimatvereins auch öffentliche Anerkennung gefunden hat. Für diese großartige Leistung gibt es einen Preis in Höhe von 600 €.
Mit einem völlig anders gearteten Projekt bewarb sich der Eifelverein Bleialf. In der wald- und wasserreichen Eifel spielte in vorindustrieller Zeit die Forstwirtschaft eine bedeutende Rolle. Neben der Gewinnung von Bau- und Brennholz sind die Jagd und die Schweinemast sowie das Sammeln von Pilzen und Beeren zu nennen. Eine große wirtschaftliche Bedeutung besaß auch die Gewinnung von Pech und Teer, von Pottasche und Holzkohle vor allem für gewerblich/industrielle Zwecke. Mit der Wiederherstellung eines 2010 errichteten, jetzt aber in die Jahre gekommenen Holzkohlenmeilers hat die Ortsgruppe Bleialf einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, historisches Wissen zu bewahren und künftigen Generationen zu vermitteln. Für das Projekt hat sie nicht nur erhebliche Geldmittel bereitgestellt und Sachspenden gesammelt, sondern auch 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit
investiert, was die Vereinsarbeit belebt hat und auf große öffentliche Resonanz gestoßen ist. Dazu trägt nicht zuletzt bei, dass der Anschauungsmeiler an dem Premiumwanderweg „Bachpfad“ liegt und so regelmäßig von Wandergruppen besucht wird. Das ist uns einen Preis in Höhe von 500 € wert.
Die Bewerbung der Ortsgruppe Kalterherberg mit einem Projekt „Krippenweg“ hat zunächst für Stirnrunzeln gesorgt, weil es Weihnachtskrippen wenn schon nicht wie Sand am Meer, so doch in großer Zahl und das vor allem in Kirchen gibt. Doch dann haben wir gesehen, dass es sich um „Outdoor-Krippenstationen“ handelt, das „Krippengewölbe“ mit 35 alten und modernen Darstellungen unter einem Eisenbahnviadukt und die „Krippenley“ mit lebensgroßen Figuren, die mit einem zwei bzw. sechs km langen Krippenweg verbunden sind und dem Wanderer so die Weihnachtsgeschichte vermitteln. Als wir gelesen haben, dass es Informationstafeln, Pressemeldungen und Berichte in lokalen Fernsehsendern gegeben hat, haben wir schnell gemerkt, dass es sich um ein Spitzenprojekt handelt, das mit 400 € honoriert werden muss.
Die Ortsgruppe Trier des Eifelvereins ist schon öfters mit dem Wolf von Reis-Preis ausgezeichnet worden. Jetzt hat sie einen Beitrag zur Instandsetzung des Heiligenborn, des Schweicher Heilbrunnens im Meulenwald geleistet. Als Historiker weiß ich natürlich, dass Gläubige seit dem Jahre 1602 zu dieser heilkräftigen Quelle kommen, als Wanderer und langjähriges Mitglied der Ortsgruppe habe ich schon öfters die lange Reihe der Wartenden mit Wasserflaschen gesehen und als Kassenpatient weiß ich jetzt, wo ich hingehe, wenn ich keinen Facharzttermin bekomme. Zudem stellen Quellheiligtümer im Allgemeinen sowie die gepflegte Anlage mit ihrer schönen Marienkapelle von 1833, ihrem Kreuzweg von 1889 und ihrer Baumallee im Speziellen bemerkenswerte Kulturdenkmäler dar. 2024 beschädigte ein Sturm die Anlage, und so ist die Initiative der Ortsgruppe, die Wiederherstellung mit einer namhaften Spende zu unterstützen, einen Sonderpreis in Höhe von 250 € wert.
Prof. Wolfgang Schmid, Hauptkulturwart