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Der Pingenwanderpfad











Der Pingenwanderpfad Kall - Ein neuer montanhistorischer Wanderweg in der Nordeifel

  • Unten auf dieser Seite können Sie einen PDF File des Pingenwanderpfads herunterladen (Darstellung: Klaus Kley).
  • In den Bildergalerien finden Sie weitere Informationen.

Nikolaus Kley, Kall


Im Rahmen des Eifeltages und aus Anlass der 100-Jahrfeier der OG Kall des Eifelvereins fand am 7. Oktober 1995 die Eröffnungswanderung eines neuen montanhistorischen Wanderweges - dem Pingenwanderpfad Kall - feierlich statt. 21 Schautafeln mit Grafiken und informativen Texten erläutern auf insgesamt 12 km dem interessierten Wanderer den mittelalterlichen bis neuzeitlichen Eisensteinbergbau des Kaller Reviers. Konzipiert und ausgestaltet wurde dieser Wanderweg durch die ehrenamtliche Arbeit der aktiven Mitglieder der OG Kall, unter der fachlichen Betreuung durch Herrn Prof. Dr. Kasig, Geologisches Institut der RWTH Aachen und seinen Mitarbeiter Herrn Dipl. Mineraloge Brunemann.
Wie kam es dazu?
Als sich die Mitglieder der OG Kall anlässlich der ersten Besprechung mit dem Thema Ausgestaltung der 100-Jahrfeier befassten, waren sich alle einig: Die OG Kall wollte diese Feier zum Anlass nehmen und etwas Besonderes und Bleibendes für die Gemeinde Kall schaffen. Es sollte etwas sein, das mit dem Ort Kall eng verbunden ist, und das uns auch dann noch an diese 100-Jahrfeier erinnert, wenn das Festtagsgeläut verklungen ist. Es gab einige gute Vorschläge. Doch was lag näher, als sich der Montangeschichte des Ortes anzunehmen, also dem Teil der Geschichte unserer Eifelgemeinde, der langsam in Vergessenheit gerät, der aber für viele Jahrhunderte den Menschen Lohn und Brot gegeben hatte. Da in den vergangen 20 bis 50 Jahren stumme Zeugen dieser Bergbaugeschichte für immer verlorengegangen sind, war die Idee geboren, die geschichtlichen Daten und Fakten des Eisensteinbergbaues und der Eisenerzverhüttung in der Gemeinde Kall zusammenzutragen, darzustellen und zu erläutern. Was liegt für einen Wanderverein näher, als dies im Rahmen eines Wanderweges zu tun, der gleichzeitig neben Text- und Bilddarstellungen auch an die Wirkstätten der Kaller Bergleute heranführt und Erklärungen zu den noch sichtbaren Landschaftsveränderungen gibt.
Der Wanderweg wurde in seiner Konzeption und der textlichen und grafischen Ausgestaltung von den Mitgliedern der OG Kall erstellt. Da die fachliche Aufbereitung der Bergbaugeschichte und der Geologie der Erzlagerstätte für den Laien recht schwierig ist, sicherten wir uns die fachliche Betreuung des Geologischen Instituts der RWTH Aachen. Einen besonderen Dank geht von dieser Stelle aus an Herrn Prof. Dr. Kasig und seinen Mitarbeiter Herrn Brunemann, die durch die Überarbeitung der vorgelegten Textkonzepte die fachliche und sachliche Richtigkeit der geologischen und montanhistorischen Themen des Pingenwanderpfades garantieren.
Was sind eigentlich Pingen?
Pingen sind verlassene Erzgruben oder Schürfstellen, in denen Eisenerze, Bleierze oder andere Mineralien der Erde abgerungen wurden. Im Kaller Gemeindegebiet trifft man ca. 2000 dieser Pingen an, die vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege Bonn unter Schutz gestellt worden sind. Der unbedarfte Wanderer wird diese Pingen als Bombentrichterfeld ansprechen, denn so stellen sie sich zunächst einmal dar: trichterartige Vertiefungen in großer Zahl, dicht beieinander liegend, mit ringförmigen Halden umgeben und teilweise von niederem Gestrüpp überwuchert oder von hohem Baumbestand durchsetzt. Sie geben den Eindruck einer ausgebeuteten, zerwühlten Landschaft, deren Narben durch die Natur notdürftig bedeckt wurden.
Jeder Pingentrichter kennzeichnet den Standort eines Bergwerkschachtes. Hier standen die Haspelbäume, mit deren Hilfe der Bergmann das begehrte Erz ans Tageslicht holte, das er in gefahrvoller Arbeit in der Tiefe gewann. Die ringförmigen Halden um die Schächte bildeten sich durch das Ablagern des ”tauben Gesteins” (nicht erzhaltig und wertlos). Die große Anzahl dieser Halden und Pingen auf kleinstem Raum entstand durch die Kleinheit der damals vergebenen ”Mutungen” (vom Bergmeister ausgegebene Schürfrechte). Alle Gruben und Schächte sind verschüttet und nicht mehr zugänglich. Sie bilden jedoch auch heute noch eine Gefahr für Mensch und Tier, da hin und wieder der Erddruck auf die verbliebenen Hohlräume unter Tage so groß wird, dass es zu Einstürzen kommt. Die Bewohner Kalls und die der umliegenden Dörfer wissen zu berichten, dass Weidevieh und Haustiere in plötzlich sich öffnenden Erdlöchern verschwanden.
Während der Bauphase des Pingenwanderpfades Kall konnten die Mitarbeiter der OG Kall an zwei Stellen solche neu entstandenen Erdsenkungen beobachten. Der Wanderpfad wurde jedoch so angelegt, dass für den Wanderer keine Gefahren bestehen. Er kann bequem und sicher vom Wege aus alle Informationstafeln und die Besonderheiten im Gelände betrachten. Es wird jedoch auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass in den Bergschadensgebieten Kalls aus Sicherheitsgründen die markierten Wege nicht zu verlassen und die Pingentrichter nicht zu betreten sind.
Der thematische Inhalt
Der Pingenwanderpfad Kall befasst sich mit der Geologie, in der das Eisenerz anzutreffen ist, und den Arten der Lagerstätten. Er erläutert das Aufsuchen dieser Erzlagerstätten und die verwendeten Methoden des Abbaus. Er zeigt die Arbeitsweise des Eifeler Bergmannes und stellt sein Gezähe (Werkzeug) vor. Durch die Darstellung der Gewinnung der Holzkohle und durch die Erklärungen der Verhüttungsprozesse des Eisenerzes in den Reitwerken (Hüttenbetriebe) Kalls rundet er das Bild des mittelalterlichen bis neuzeitlichen Eisensteinbergbaues und seiner Weiterverarbeitung ab.
Der Wegeverlauf des Pingenwanderpfades
Die Neuanlage des Pingenwanderpfades wurde so naturschonend wie möglich durchgeführt. So verläuft der Pingenwanderpfad Kall ausschließlich über das bereits vorhandene Gemeindewegenetz. Nur an zwei Stellen wurden - in Absprache mit der Gemeindeverwaltung und der Forstverwaltung - die vorhandenen Wege kurz verlassen, um den Wanderer über alte, jedoch nicht mehr benutzte Erzabfuhrwege näher und sicher an die besonderen bergbaulichen Hinterlassenschaften heranzuführen.
Start- und Endpunkt der Wanderung ist das Rathaus in Kall. Hier findet der Wanderer auf der Tafel 1 einen kurzen Einführungstext und die Darstellung des Wegeverlaufs auf einer Wanderkarte (siehe Abbildung). Von hier aus führt der Weg auf den Fels, den man nach fünf Minuten erreicht. Man folgt einfach dem Logo des Pingenwanderpfades, der symbolisierten Grube mit Haspelbaum. Hier auf dem Felsenweg beginnt mit der Informationstafel 2 die eigentliche fachliche Ausschilderung des Wanderweges. Diese Ausschilderung begleitet nun die Wanderung bis zum Ende bei Tafel 21.
Der Felsenweg schlängelt sich oberhalb der Erosionskante des Buntsandsteinfelsens. Von dort aus belohnt ein romantischer Blick auf den Ort Kall und das Urfttal. Im weiteren Verlauf senkt sich der Weg über eine Serpentine auf das Straßenniveau unterhalb des Felsens. und führt an einer wild zerklüfteten Felspartie mit Vorsprüngen und Spalten vorbei. An der Stelle, an der der Wanderweg über die Straße nach Gemünd und die Eisenbahngleise geführt wird, befindet sich ein Steinbruch aus römischer Zeit. Es lohnt sich, einen Blick auf den nun 20 Meter vom Weg abliegenden Fels zu werfen. Ein Informationsschild - ebenfalls von der OG Kall erstellt - gibt Auskunft über die treppenförmigen Abbaustufen im Buntsandsteinfelsen, in denen noch gut die römischen Meißelspuren zu sehen sind.
Der Pingenwanderpfad durchquert die Urftaue mit schönem Blick auf Anstois und Kall und führt in das romantische Fahrenbachtal. Dieses Tal steigt sanft an bis es den Höhenrücken zwischen Wackerberg (531 m) und Kindshardt (530 m) erreicht. Dabei überquert der Wanderweg zweimal den Fahrenbach, der in heißen Sommern schon einmal trocken fallen kann. Die Stege über den Fahrenbach wurden auch im Verlauf des Wandewegebaues durch die OG Kall angelegt.
Auf dem Höhenrücken erreicht der Wanderweg den Josef-Schramm-Weg (Hauptwanderweg 4 des Eifelvereins). Diesem Richtung Süden folgend führt er in die Grubenfelder der Konzession Stahlberg hinein, wo er auf dem Weg nach Wintzen eine einzeln gelegene Eisensteingrube und einen versteckt gelegenen Tagebau aufsucht. Vom letzteren aus wendet sich der Pingenwanderpfad talabwärts und gelangt über einen Bachlauf in ein weiteres Grubenfeld, das auch zur Konzession Stahlberg gehört. Hier führt der Wanderweg durch eine von Pingen und Halden übersäte Landschaft, die jedoch mit einem wunderbaren alten Buchenbestand überwachsen ist. Am Waldrang erhält der Wanderer, gleichsam als Ausgleich für das, was dem Auge durch die von Menschenhand zerwühlte Landschaft zugemutet wurde, einen wohltuenden Ausblick auf das Tal mit dem Ort Golbach, dem Flecken Straßbüsch und die bewaldeten Höhenzüge der Loshardt (483 m) und des Pferdekopfes (512 m).
Von dieser Stelle aus führt ein besonders markierter Weg (G) zu einer geologischen Besonderheit in der Nordeifel. Mit einem kleinen Umweg von ca. 1,5 km bringt er den interessierten Wanderer zu einem lokal sehr begrenzten Perm-Aufschluss, der zwischen Obergolbach und Straßbüsch liegt. Auch hier informiert eine von der OG Kall erstellte Texttafel. In Golbach erhält der Wanderer, der sich für diesen kleinen Umweg entschieden hat, in Höhe der Golbacher Kapelle wieder Anschluss an den Pingenwanderpfad.
Über den Ort Golbach (gegenüber der Kapelle Golbach befindet sich das Bürgerhaus) gelangt man an das Grubenfeld Concordia. Der Wanderweg folgt hier einem schmalen Fußpfad, der auf den Höhenrücken der Loshardt führt. Dabei genießt man den Ausblick in das Kallbachtal. Von der Loshardt aus geht es durch ein Eichenwäldchen bergab - zuletzt über Treppen - um wieder in den Ort Kall zu gelangen. Am Eingang zur Turnhalle der Berufsschule befindet sich am ehemaligen Stollenmundloch des Haak-Stollens die letzte der 21 Informationstafeln. Das Wanderzeichen des Pingenwanderpfades führt jedoch den Wanderer noch bis zum Ausgangspunkt der Wanderung, dem Rathaus der Gemeinde Kall zurück.
Die Infrastruktur des Wanderweges
Anreise mit dem Auto:
Mit dem Auto ist Kall über die Autobahn A1 und die Bundesstraße B266 zu erreichen. In Kall befinden sich in unmittelbarer Nähe des Startpunktes des Pingenwanderpfades drei große, öffentliche und gebührenfreie Parkplätze (siehe Karte). Dies sind der Parkplatz in der Straße ”Im Sträßchen”, die Parkfläche am Neuen Markt (außer freitags vormittags) und der Parkplatz an der Berufsschule (Hindenburgstraße), der Park and Ride Parkplatz an der Trierer Straße.
Anreise mit Bahn oder Bus:
Kall liegt an der Eisenbahnstrecke Köln/Trier. Der Startpunkt des Pingenwanderpfades befindet sich direkt im Bereich des Busbahnhofes, der dem Bahnhof vorgelagert ist. Diese Tatsache kommt besonders bus- oder bahnreisenden Wanderern zugute.
Die Rastplätze:
Im Verlauf des Wanderweges befinden sich vier Rastplätze, die kleineren bis mittleren Wandergruppen die Möglichkeit bieten, unter freiem Himmel sitzend eine Früstücksrast einzulegen (siehe Karte). Besonders zu empfehlen ist der Rastplatz Eifelverein im Fahrenbachtal, den man nach 2,5 km erreicht. Des weiteren laden viele einzelstehende Ruhebänke im Verlauf des Wanderweges zur Rast ein.
Die Schutzhütten:
Drei wetterfeste Schutzhütten (siehe Karte) erwarten den vom Unwetter überraschten Wanderer. Leider steht nur die Grillhütte Kall in unmittelbarer Nähe des Pingenwanderpfades. Sie bietet aber den meisten Platz. Die Benutzung der Wackerberg-Hütte verlangt einen zusätzlichen Fußweg von ca. 600 m. Die Loshardt-Hütte dagegen liegt 300 m vom Wanderweg ab, es ist jedoch ein beträchtlicher Höhenunterschied zu überwinden.
Abkürzungen der Wegstrecke:
Muss die Wanderung aus besonderen Gründen vorzeitig abgebrochen werden, so ist dies an vielen Stellen möglich. Die gut ausgeschilderten örtlichen Rundwanderwege A2, A3 und A4 führen in den Ort Kall zurück.
Gastronomie:
In Kall finden sich genügend Gaststätten sowie ein Café, die zur gemütlichen Schlusseinkehr einladen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer
Viele Helferinnen und Helfer waren notwendig, um in der uns vorgegebenen Zeit diesen thematisierten Wanderweg zu konzipieren, zu überarbeiten und die entsprechenden Baumaßnahmen im Gelände zu planen und auszuführen. Aber auch die finanzielle Hilfen und die Materialspenden haben dazu beigetragen, dass das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden konnte. Deshalb ist es ein Herzenswunsch des Vorstandes der OG Kall des Eifelvereins, allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Mögen in Zukunft viele erholungssuchende Wanderfreunde den Pingenwanderpfad erwandern, damit sich die Arbeitsleistungen und der Einsatz der Freizeit auch gelohnt haben. Wir wünschen auf jeden Fall allen Besuchern des Pingenwanderpfades erholsame und interessante Stunden auf den Spuren der Bergleute Kalls.

 

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